Förderverein Kämmereimuseum Blumenthal zeigt Ausstellung „Verlassene Räume“

Alte Hallen neu erkundet

Ausstellungsorganisator Detlef Gorn hofft, dass ehemalige BWK-Mitarbeiter die Fotos mit Erinnerungen füllen. - Foto: Friedrichs

Bremen - Von Doris Friedrichs. Die Fußböden sind mit Schutt bedeckt. Das Mobiliar ist zerstört, zerfetzte Telefonbücher liegen herum, Vorhänge sind zerschlissen. „Verlassene Räume“ heißt die Ausstellung, die der Förderverein Kämmereimuseum Blumenthal an drei Tagen in den Räumlichkeiten der ehemaligen Stadtbibliothek Blumenthal präsentiert. Zu sehen sind Bilder des Foto-Teams „Urban Explorer“. Mattias Kleinekathöfer und Volker Scholz haben acht Wochen lang leerstehende Gebäude auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei mit der Kamera erforscht.

Die Büro-Uhr zeigt 16.27 Uhr an. Vergilbte Aufkleber „zieren“ eine Pinnwand. „Zucker ist himmlisch“, ist da zu lesen. Und dann ein Aufkleber mit den Spielern des SV Werder Bremen, „Deutscher Fußballmeister 1988“ heißt es da. Lang ist’s her. Mancherorts sind Leitungen aus den Wänden gerissen, der Putz in den Hallen bröckelt von den Wänden.

Einen mehr als traurigen und auch leicht gruseligen Anblick bieten die Fotos, aufgenommen in vier Gebäuden der BWK: im Hochbau, im Sortiergebäude 56, im Gebäude 43 und in der Fliegerhalle. Aber dann der Kontrast in den weiten Räumen der Fliegerhalle. Große Mengen an Wollballen stapeln sich hier. „Ich schätze, dass 80 Prozent des gesamten deutschen Wollhandels noch in Blumenthal passiert“, sagt Detlef Gorn, Vorsitzender des Fördervereins Kämmereimuseum. „Blumenthal ist nach wie vor ein Schwerpunkt des deutschen Wollhandels. Nur gewaschen und gekämmt wird hier nicht mehr.“

Es ist die fünfte Veranstaltung über die Bremer Wollkämmerei, die der Verein initiiert hat. Nach den Ausstellungen in den vergangenen beiden Jahren „Die BWK in der Zeit des Nationalsozialismus“ und „Frauen auf der BWK“ nun eine über „Verlassene Räume“. 2015 am „Tag des offenen Denkmals“ hätte jemand bei der Eröffnungsfeier in der Lloyd-Halle 4 erzählt, wie es früher dort ausgesehen hätte. „Da hat es bei mir Klick gemacht“, nennt Gorn das Erlebnis als Anstoß, eine Ausstellung mit Fotos aus den leeren BWK-Hallen zu organisieren.

Neben Fotos aus dem Staatsarchiv, die den Besuchern einen Eindruck von den Arbeitsverhältnissen in den Sortiersälen vermitteln sollen, sind 130 neue großformatige Fotos zu sehen.

Ziel der Bilderreihe sei es, so Gorn, den Besuchern sieben Jahre nach Schließung der BWK zu vermitteln, dass auch physisch leere Räume Inhalt haben, erst recht dann, wenn ehemalige BWK-Mitarbeiter sie mit ihren ganz persönlichen Erinnerungen mit Leben füllen. Zwei Ehemalige, Egbert Baudis und Alfred Mühlberger, hätten sich sehr gefreut, nach so langer Zeit mal wieder in ihre alten Wirkungsstätten einzutauchen, war ihnen doch jeder Winkel bestens vertraut. „Das sind Gebäudetrakte, die kaum jemand von innen gesehen hat, selbst während der Produktion“, sagt Detlef Gorn und meint damit, dass die Mitarbeiter nur da sein durften, wo sie auch gearbeitet haben. „So kam es, dass auch diejenigen, die über Jahrzehnte bei der BWK waren, nur die Bereiche kannten, wo sie tätig waren, außer Schlosser und Elektriker.“

Die Ausstellung wird am Freitag, 19. August, um 19.30 Uhr eröffnet. Begrüßungsworte sprechen neben Detlef Gorn Bürgerschaftspräsident Christian Weber und Ortsamtsleiter Peter Nowack. Die weiteren Öffnungszeiten: 21. und 23. August jeweils von 14 bis 18 Uhr sowie 25. August von 14 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die ehemaligen BWK-Mitarbeiter Egbert Baudis und Alfred Mühlberger werden an den drei Veranstaltungstagen vor Ort sein und Fragen der Besucher beantworten. Begleitet wird die Ausstellung im Vorführraum von dem Video „Anneliese Sendler – Eine Jugend zwischen BWK und Blumenthaler Aue“, das überwiegend Aufnahmen aus der Zeit von 1923 bis 1945 zeigt. Zusätzlich ist jede der vier Gebäude-Fotoreihen mit einem Phone-Guide-Hinweisschild versehen. Dadurch haben die Besucher die Möglichkeit, sich mittels der abgebildeten Telefonnummer über die Geschichte des jeweiligen Gebäudes zu informieren.

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