Airbus D&S entwickelt in Bremen Plattform „Bartolomeo“

Ein Balkon für die ISS

Die Forschungsplattform „Bartolomeo“ soll 2018 ins All gebracht werden und ans Forschungslabor „Columbus“ der ISS andocken. - Modellskizze: Astrium D&S

Bremen - Von Jörg Esser. Das Raumfahrtunternehmen Airbus Defence and Space (D&S) baut in seinem Bremer Werk einen Balkon. Einen Balkon fürs die Internationale Raumstation ISS. Der Balkon ist eine neue Forschungsplattform, die an das europäische Forschungslabor „Columbus“ andocken soll. Die neue Plattform für externe Nutzlasten trägt den Namen „Bartolomeo“ und ist nach dem jüngeren Bruder von Christoph Kolumbus benannt.

Die „Bartolomeo“-Plattform solle Teil eines umfassenden Servicepaketes werden, das privaten und institutionellen Kunden „einen schnellen, kostengünstigen und zuverlässigen Zugang zur ISS unter kommerziellen Bedingungen ermöglicht“, sagt ein Sprecher von Airbus D&S. „Bartolomeo“ soll 2018 an der „Columbus“-Außenseite angebracht werden und einen Zugang zu Stromversorgung und Datentransfer für Kundenlasten ermöglichen. 

Airbus D&S betreibt die Plattformund stellt über einen „All-in-One-Mission-Service alle missionsbezogenen Elemente bereit, heißt es. „Mit unserem ‚ISS-Balkon‘ bieten wir ein sehr kosten- und zeitsparendes Instrument für Raumfahrtmissionen in der erdnahen Umlaufbahn und für die In-Orbit-Erprobung und -Validierung neuer Technologien“, sagt Bart Reijnen, Leiter On-Orbit Services and Exploration von Airbus D&S und zuvor Standortleiter in Bremen.

Der erste Passagier hat bereits eingecheckt. Auf dem International Astronautical Congress (IAC) im mexikanischen Guadalajara haben Airbus D&S und das australische Unternehmen „Neumann Space“ eine Vereinbarung für eine gehostete Nutzlast der neuen Forschungsplattform unterzeichnet. Das Raumfahrt-Startup vom fünften Kontinent will auf der „Bartolomeo“-Plattform ein Nutzlastvolumen von gut 50 Litern für sein Programm „Fast“ (Facility for Australian Space Testing) belegen. 

„Fast“ soll kleinen und mittleren Unternehmen, Schulen und Universitäten „die einzigartige Möglichkeit bieten, Technologien im Orbit zu prüfen, und füllt damit eine aktuelle Marktlücke“, sagt Patrick Neumann, leitender Wissenschaftler und Mitbegründer von „Neumann Space“. Der Start des Nutzlastbündels ist für Ende 2018 geplant. Die Australier arbeiten nach eigenen Angaben bereits an Nachfolgenutzlasten, darunter auch an Nutzlastelementen, die nach Missionsende zur Erde zurückgeführt werden könnten.

Airbus D&S will mit der Plattform die kommerzielle Nutzergemeinde des Raumlabors erweitern. „Mit ,Bartolomeo' werden wir einen dauerhaften Hosting-Service für externe gewerbliche Nutzlasten auf der ISS einrichten“, so François Auque, Leiter von Space Systems. „Kommerzielle Partnerschaften werden für die Zukunftsarbeit in der Weltraumerforschung eine wachsende Rolle spielen“, ergänzt David Parker, Direktor für bemannte Raumfahrt und robotische Exploration der europäischen Weltraumagentur Esa.

„Die ,Esa´ plant, das privatwirtschaftliche Engagement in der Weltraumerkundung ebenso zu fördern wie innovative Konzepte für künftige Missionen.“ Parker ergänzt: „Indem wir die Möglichkeiten zur Nutzung der ISS durch den privaten Sektor optimieren und die Nachfrage ankurbeln, schaffen wir neue Perspektiven für kommerzielle Konzepte zur Nutzung von Nachfolge-Infrastrukturen der Raumstation.“

Wie lange die ISS genutzt wird, steht noch in den Sternen. US-Präsident Barack Obama und Russlands Präsident Wladimir Putin haben den Betrieb bis 2024 gesichert, die Esa förmlich zunächst bis 2020. Die ISS steht im Dezember auf der Agenda der Esa-Ministerratskonferenz in Luzern.

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