Improvisationstheater „City 46“ beim Krimifestival Bremen

Ahnungslos und abgefahren

Als Rumpelstilzchen macht Lars Schwennesen (v.l.) eine gute Figur. Was Tinka Klindtwort davon hält, ist ihrem Gesicht sehr einfach zu entnehmen. Alexa Stein schaut zwar nicht in die Kamera, dafür gespannt dem Duo zu. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Improvisationskunst trifft Gruselgeschichten: Im Rahmen des 19. Bremer Krimifestivals lud das Improvisationstheater „City 46“ am Wochenende zu einer Aufführung, in der das Publikum ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hatte. Auf Grundlage von Geschichten der Autorin Alexa Stein entstand so ein aberwitziger Abend.

Das Prinzip ist simpel und doch so wirkungsvoll und einprägsam. Als Alexa Stein aus ihrem neuen Buch „Gänsehaut und kaltes Grausen“ vorliest und so die etwa 80 Zuschauer im ausverkauften Saal mit in die Welt der Bremer Volkssagen entführt, scheint es anfangs, als würde es eine ganz „normale“ Lesung werden. Doch weit gefehlt. Ein einfaches „Stopp! Das interessiert mich!“ aus den Reihen der Besucher reicht aus, und die vorher gelesene Passage wird von Schauspielquartett Nicole Erichsen, Tinka Klindtwort, Lars Schwennesen und Boris Radivoj kurzerhand auf die Bühne gebracht. Fertig ist das Programm „Crime meets Impro“, Krimi trifft Improvisation.

Mit Einfallsreichtum, Phantasie und Witz – und ohne vorher nur einen Blick in das Buch geworfen zu haben – bringen die vier ihre Version der Geschichte auf die Bühne. Es sind Geschichten von Männern, die sich in Katzen verwandeln, von Helden mit Blumensträußen, von Wichten, die auf Zuckerdosen sitzen, und jahrhundertealten Weingeistern, die das Improvisationstalent der Schauspieler auf die Probe stellen.

Kein „ähm“ füllt den Raum, kein langes Nachdenken durchbricht die Stille, sondern einfache, aber verblüffend gute Schauspielkunst wird auf die Bühne transportiert. Keine Skripte, kein Drehbuch, kein Souffleur im Hintergrund.

Untermalt mit Musik der Pianistin Bettina Fischer, bringen die Schauspieler die humorvollen Gruselgeschichten mit erstaunlicher Kreativität aufs Parkett, scheuen dabei keine Grimasse und versetzen sich in jede erdenkliche Rolle. Da stört es auch nicht, dass lediglich ein schwarzer Vorhang die Bühne umgibt und auch das Quartett in schlichten Sachen auf die Bühne kommt. Gepaart mit der wortgewandten Alexa Stein, die zwar oft durch die (gewollten) Zwischenrufe unterbrochen wird, ergibt das Konzept „Impro meets Crime“ durchaus einen gelungenen Abend.

Für Benjamin und Nicole (beide 27) aus Bremen war das etwa zweistündige Programm „total geil“, wie Nicole es ausdrückt. Benjamin fügt hinzu: „Wir wussten anfangs gar nicht, was uns erwartet. Das war spannend und unterhaltsam zugleich.“ Besonders das eigene Eingreifen in den Verlauf des Stücks hat den beiden gut gefallen. „Das kennt man so nicht. Sehr tolle Erfahrung.“

Das Bremer Krimifestival läuft noch bis morgen, Dienstag, 27. September.

www.primetime-crimetime.de

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