Tierärztin Alexandra Dörnath kümmert sich um Exoten und Wildtiere

Vom Affen bis zum Zierfisch

Blutentnahme bei einem Chamäleon. Zu den exotischen Tieren zählen aber auch bekanntere Tiere wie Kanarienvögel und Wellensittiche. - Foto: Dörnath

Bremen - Von Viviane Reineking. Vieles deutet darauf hin, dass es bei der Bremer Tierärztin K. Alexandra Dörnath anders zugeht als bei anderen Veterinären: Konservierte Eier von Jemen-Chamäleons, der Zahn einer Tigerpython, ein Löwenhoden – wer die Praxis „Klein Mexiko“ in der Bennigsenstraße in Hastedt betritt, gerät ins Staunen. Zwar hilft Dörnath auch Hund, Katze und Maus. Viel eher aber liegen Echsen, Schlangen und Schildkröten auf ihrem Behandlungstisch.

„Die meisten Tiere kommen in Styroporbehältern zu mir“, erzählt die 45-Jährige in ihrer Tierarztpraxis in Hastedt. Denn 90 Prozent ihrer Patienten sind Reptilien. Spezialisiert hat sich Dörnath auf Exoten-, Zoo- und Wildtiere, sagt aber: „Ich behandle alles – vom Affen bis zum Zierfisch.“ Aber auch für ungewöhnliche Tiere hat die Medizinerin ein Herz, etwa für Schaben, genauer: für Madakaska-Fauchschaben, die, wenn sie geärgert werden, ihrem Namen alle Ehre machen. Gleich vier Exemplare, die ehemals in der Botanika zu sehen waren, haben bei ihr ein Zuhause gefunden.

90 Prozent ihrer Patienten sind Reptilien: Die Bremer Tierärztin Alexandra Dörnath hat sich auf Exoten- und Wildtiere spezialisiert. Hier prüft sie in ihrer Praxis „Klein Mexiko“ den Herzschlag einer ungiftigen Kornnatter. - Foto: Reineking

Nach ihrem Staatsexamen in Tiermedizin in Berlin hat sie am Londoner Zoo ihren Master in Wildtiergesundheit gemacht. Sie hat in einer schottischen Kleintierpraxis gearbeitet und sich in zahlreichen Wildtierprojekten rund um den Globus engagiert. Hat in schottischen Gewässern Studien zur Zwergwalpopulation gemacht, in Hawaii und dem australischen Great Barrier Reef an einer Studie zu Meeresschildkröten gearbeitet. Hinzu kamen Seekühe in Belize, Seebären und Seelöwen auf Galapagos und Swiftfüchse – „die kleinsten Füchse der Welt“ – in Kanada. „Bei minus 25 Grad mussten wir sie einfangen, um ihnen Blut abzunehmen.“ Engagiert hat sich die Tierärztin, die ihre Arbeit nicht Beruf, sondern als Berufung empfindet, auch in einer Auffangstation für Wildtiere in Ecuador.

Hinzu kamen Stationen in Zoos, etwa in Berlin, London und Bristol. Statt der Arbeit mit Wildtieren in Zoos oder in der freien Natur, betreut Dörnath seit 2007 ihre Patienten nun in eigener Praxis, private Gründe hatten sie wieder nach Bremen gezogen. Hier behandelt sie jetzt Exoten, „das sind Tiere, die bei uns nicht einheimisch sind“. Operiert hat sie sogar einmal eine Kobra, die ein Problem an ihrer Giftdrüse hatte. Und der Steppenschildkröte „Oskar“, die ihre Hinterbeine nicht mehr bewegen konnte, hat sie vor einem Jahr einen Rollator gebaut. Eine erfolgreiche „Operation“: Mit seinen mit Industriekleber am Panzer befestigten Rädern rollt „Oskar“ noch immer durch die Gegend.

Dörnath macht aber auch Hausbesuche bei Patienten, die nicht zu ihr kommen können. Kois im Gartenteich etwa, Seepferdchen im Universum und kleine Waschbärenbabys in der Botanika.

Neben ihrer Tätigkeit als Zootierärztin in den beiden Bremer Science-Centern ist sie Ansprechpartnerin für Behörden zu Fragen des Tier- und Artenschutzes. Und sie erhält hin und wieder Anrufe von Polizei und Feuerwehr. Wie bei dem Fall, als ein Pferd auf der A1 bei Arsten am Stauende aus dem Anhänger geflohen ist. „Ich habe mir Blasrohr und Narkosemittel geschnappt und das Pferd vor Ort ruhiggestellt.“

Zu einem ihrer ungewöhnlichen Einsatze zählt die engagierte Veterinärin, die vor kurzem auch als Kandidatin bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“ zu sehen war und ihre Doktorarbeit über die Narkose beim Gorilla verfasst hat, auch den Einsatz in einer leerstehenden Wohnung, wo sie eine junge Kornnatter („Diese Schlangen sind echte Ausbruchskünstler“) aus einer Toilette gerettet hat. Aufsehen erregt hat auch das Auftauchen einer als aggressiv und hochgiftig geltenden Bananenspinne in einem Einkaufsmarkt in Harpstedt. Zusammen mit weiteren Experten stellte Dörnat das Exemplar sicher, das in eine Reptilien-Auffangstation in Rotenburg kam. Mittlerweile ist „Heidi“, wie die Spinne getauft wurde, allerdings verstorben. Auch, wenn die Tiere die Behandlung mit Chemikalien, Kälte und den langen Transport in der Regel nicht überleben, rät die Tiermedizinerin: „Besser nicht einfach in Bananenkisten hineingreifen.“

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