Die Bremer Jacobs-Universität wird 15 Jahre alt

Abends eine E-Mail an den Prof

Studenten sitzen in der Bibliothek der Jacobs-Universität in Grohn. Ohne staatliche Förderung würde es die Uni nicht mehr geben. Heute wird sie 15 Jahre alt. - Foto: dpa

Bremen - Von Helen Hoffmann. Private Unis in Deutschland haben oft einen guten Ruf, kämpfen aber mit finanziellen Problemen – so auch in Bremen. Die private Jacobs-Universität, die ohne staatliche Förderung längst pleite wäre, wird heute 15 Jahre alt. Gefeiert wird in Bremen nicht.

Ehrgeizige Frauen und Männer aus mehr als 100 Nationen tummeln sich auf dem früheren Kasernengelände in Grohn. Sie studieren an der englischsprachigen Jacobs-Universität, die eine von etwa 120 privaten Hochschulen in Deutschland ist. Als sie vor 15 Jahren mit Unterstützung der Hansestadt Bremen, der Universität Bremen und der Rice University in Houston (USA) gegründet wurde, waren die Ziele hoch.

Eliteschule für globale Führungskräfte

Die Hochschule, die anfangs „International University Bremen“ hieß, solle sich „zu einer der ambitioniertesten privaten, unabhängigen Forschungsuniversitäten auf dem europäischen Kontinent“ entwickeln, hieß es damals. Der Plan war, eine Eliteschule für globale Führungskräfte zu schaffen. Doch schon wenige Jahre nach dem Beginn zeigten sich enorme finanzielle Schwierigkeiten. Eine 200-Millionen-Euro-Spende der Schweizer Jacobs Foundation sicherte 2006 den Betrieb für die folgenden Jahre – und die Uni bekam den Namen des (ursprünglich) Bremer Kaffeeunternehmers.

Die Jacobs-Universität sei „mit einem überaus ambitionierten Ziel gestartet“, sagt Ulrich Müller vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh. „Das überdeckt nun ein bisschen, was sie schon geschafft hat.“ Die Hochschule leiste hervorragende Arbeit, sei aber keine europäische Spitzen-Uni. „Es gibt derzeit in Deutschland keine private Hochschule mit dominanter internationaler Ausstrahlung.“

Jacobs-Uni genießt einen guten Ruf

Die Jacobs-Uni selbst nennt sich eine Einrichtung mit höchsten Ansprüchen an Forschung und Lehre. In der Tat genießt sie einen guten Ruf. In den CHE-Hochschulrankings der vergangenen Jahre schnitt sie gut bis sehr gut ab. Von Studenten erhielt sie mehrfach Spitzennoten. Ein großes Lob, denn bei Kosten von 24 500 Euro für ein akademisches Jahr inklusive Unterbringung und Verpflegung auf dem Campus sind die Erwartungen sicher hoch.

„Die Lehrkräfte sind sehr gute Experten ihrer Fächer“, sagt Antonia Schaefer, die im dritten Semester „International Relations“ studiert – ein gemeinsames Angebot der Uni Bremen und der Jacobs-Uni. Der Kontakt sei eng. „Man kennt die Profs mit Vornamen und kann ihnen abends eine E-Mail schreiben.“

„Sie wäre ohne staatliche Mittel längst pleite“

Doch neben Auszeichnungen für Lehre und Forschung sorgten immer wieder finanzielle Probleme für Aufsehen. „Sie ist privat, wäre aber ohne staatliche Mittel längst pleite“, sagt Hochschulexperte Müller.

Ihm sei keine einzige Einrichtung bekannt, die über so lange Zeit so kräftig vom Staat unterstützt wird. Nachdem das Minus 2012 etwa 32,3 Millionen Euro betrug, wurde die Uni im Jahr 2014 neu ausgerichtet. Das Land Bremen erklärte sich bereit, weiter zu zahlen – bis 2017 jährlich drei Millionen Euro. Voraussetzung war ein Sanierungskonzept.

Inzwischen sieht sich die Uni gut aufgestellt. „Wir sind in einer sehr soliden Situation“, sagt Geschäftsführer Professor Michael Hülsmann. „Wir sind froh, dass wir bis 2027 planen können.“ Solange hat die Stiftung Unterstützung zugesagt – 100 Millionen Schweizer Franken (derzeit etwa 91 Millionen Euro) über einen Zeitraum von zehn Jahren ab 2018.

Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) sieht die Entwicklung positiv. „Es bestehen inzwischen gute Chancen, diese Herkulesaufgabe zu meistern und so das Ziel zu erreichen, ab 2018 ohne öffentliche Zuschüsse arbeiten zu können“, sagt er.

Eine Feier zum 15. „Geburtstag“ hat die Jacobs-Uni nicht geplant. Beim 50. werde es ein Fest geben, sagt der Geschäftsführer. 

dpa

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