Eröffnung von gewaltfreien Ausdrucksformen

Kunstprojekt für Häftlinge: Abendmahl trifft Muppets

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Zaza schaut auf sein Werk. Das Motiv mit dem stürzenden Pärchen hat er irgendwann gesehen und kann es nicht vergessen.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Die Kunst hat die Aula der Schule in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bremen erobert. Knapp 20 Gemälde zieren die Wände. Sie stammen jeweils von jungen Insassen. Die Feinheiten und die Technik sind beeindruckend, die Thematiken ernst bis aufmunternd. Das seit drei Jahren laufende Projekt „Picasso meets the Streets“ der Kunsthalle Bremen betreut die Künstlerin Dina Koper.

„Ich wollte mit ehemals gewaltbereiten Jugendlichen arbeiten. Man kann aber ja nicht einfach ein Plakat aufstellen und die bitten, zu uns zu kommen. So kam mir der Gedanke, in die JVA zu gehen“, sagt Koper. „Am Anfang war ich schon nervös, aber der Umgang war immer sehr höflich. Zunächst waren die Teilnehmer skeptisch, nachher fanden sie es immer schade, wenn die Zeit um war.“ Die Kunst soll den Inhaftierten neue, gewaltfreie Ausdrucksformen eröffnen, die Kunst näherbringen und ihnen Selbstvertrauen geben.

Rickys Variante des „Abendmahls“: Mit den Muppets will er Kindern das Thema näherbringen.

Zaza hat ein düsteres Bild gemalt. Ein Pärchen stürzt hinab in den Schlund eines Vulkans. Der Mann versucht, die Frau zu greifen, doch sie fällt schneller. Letztlich sind aber beide verloren. Die Frau in Rot und der weißgekleidete Mann heben sich von einem blauen Hintergrund ab. „Ich habe das Motiv irgendwann in meinem Leben schon einmal gesehen. Ich weiß aber nicht mehr, wann oder wo.“ 

Auf die Frage, ob er der Mann auf dem Bild ist, sagt er: „Keine Ahnung, vielleicht sind es Adam und Eva. Das Motiv hat sich in mein Gehirn gebrannt.“ Am Anfang stand Zaza dem Projekt skeptisch gegenüber. „Ich dachte erst, das wird langweilig. Zeitweise war ich mir nicht sicher, ob ich das schaffe. Das ist aber ein tolles Hobby, um nicht auf der Zelle zu sein“, sagt Zaza. „Ich konnte dabei abschalten von dem ganzen Frust, den ich hier habe.“

Der junge, etwas schüchtern wirkende Simo hat ein Straßenbild aus Marokko gemalt. Darauf zu sehen sind drei Musiker vor einem großen Tor aus Stein. Für ihn hat das Bild eine sehr positive Bedeutung. Es verkörpert Leichtigkeit. „Die Kleider sind schön. Die Musiker haben keine Sorgen und können einfach spielen“, sagt er.

Zwei weitentfernte Welten hat Ricky auf die Leinwand gebracht. Sein Gemälde zeigt das „Abendmahl“, orientiert an der Vorlage von Leonardo da Vinci. Die Körper und sogar die Haltung der Arme und Hände hat der junge Künstler von dem berühmten Original übernommen. Doch die Köpfe sind ganz andere. Sie kommen von den Muppets. „Ich habe das gemalt, weil ich Kindern das ,Abendmahl‘ mit Figuren aus ihrem alltäglichen Leben nahebringen möchte“, sagt er. 

In der Mitte, also an der Stelle von Jesus, sitzt ein fröhlicher Kermit. Über die Stelle links daneben hat der junge Maler etwas nachgedacht. „Es ist umstritten, ob dort ein Mann oder eine Frau sitzt. Meiner Meinung nach ist es eine Frau, Maria Magdalena“, sagt Ricky. Auf seinem Bild sitzt dort Miss Piggy. Das passt sehr gut, denn die divenhafte und kampfsporterprobte Schweine-Dame ist ja nicht nur Kermits Freundin, sondern hat auch durchaus maskuline Züge. 14 Muppets sind zu sehen, darunter natürlich auch der dänische Koch sowie die ewig lästernden Logengäste Waldorf und Statler.

Ab Februar sind die Werke in der Kunsthalle zu sehen.

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