„Mein Kunst-Stück“ mit Christine Vogelsang und ihrem Siebdruck „Rosa“

Das Abbild der Zeit

Christine Vogelsangs Druck auf Japanpapier besteht aus drei Schichten Papier. -  Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Rosa“ heißt Christine Vogelsangs Porträt, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Der Siebdruck besteht aus drei übereinander-gelegten transparenten Blättern. Er zeigt ein Porträt der berühmten Rosa Luxemburg.

Rosa Luxemburg (1871 bis 1919) war eine Verfechterin der europäischen Arbeiterbewegung, der Entmilitarisierung und eine unermüdliche politische Kämpferin. Die deutsche Sozialistin ist für Christine Vogelsang ganz aktuell. „In Anbetracht der steigenden Kriegsgefahr hat das Porträt Luxemburgs eine besondere Bedeutung“, findet sie.

Während das große Rosa-Bild spontan, fast skizzenartig mit dem Spachtel entstand, stecken in dem kleinen, gerahmten Druck Technik und Tiefe. Jedes der drei Blatt Japanpapier ist in einer Farbe bedruckt. Durch die Teiltransparenz des Materials und die geschichteten Lagen verschwimmt das Porträt und bekommt einen fast historischen Charakter. 

„Es hat etwas Verletzliches“, findet die Künstlerin. Seit rund sieben Jahren ist Siebdruck ihre favorisierte Technik. Über sie lassen sich auch anspruchsvolle Themen umsetzen, meint Vogelsang. Allerdings müsse jede Arbeit vorher entworfen und genau geplant werden. Die Vorlagen sind fast ausschließlich eigene Fotos.

Als gesellschaftlich-politisch denkender Mensch beschäftigt sich Vogelsang auch mit der Position der Frau. Bezüglich Gleichberechtigung und Emanzipation könne „Rosa“ daran erinnern, dass sich Frauen wieder verstärkt engagieren, meint die Künstlerin. „Gerade die jüngeren Frauen und Mädchen scheinen vermehrt bereit, für Kinder und Familie zurückzustecken und arbeiten oft in Mindestlohnbeschäftigung.“

Vogelsang selbst blickt auf eine aktive soziale und politische Vergangenheit zurück. Sie begreift ihr spätes Kunststudium und die künstlerische Arbeit als eine Freiheit und einen Luxus. Im Gegenzug nimmt sie die Aufgabe der Kunst an, Dinge zu hinterfragen oder Geschichte aufzugreifen. An Themen mangelt es Vogelsang nie. „Immer kommt Neues dazu“, sagt sie.

Schon in der Schule hatte die gebürtige Braunschweigerin eine Affinität zur Kunst. Mit dem Studium der Kunsttherapie und Kunstpädagogik in Ottersberg hängte sie ihren langgehegten Wunsch, noch Medizin zu studieren, endgültig an den Nagel. Später verabschiedete sie sich auch von der Pädagogik. Sie konzentrierte sich auf ihr eigenes künstlerisches Schaffen. Wenn sie an einem Thema arbeitet, geht sie jeden Vormittag in ihr Atelier. Die Herausforderung sei es, durch eine ästhetische Umsetzung mit der Realität zu konfrontieren und offene Fragen aufzuwerfen, meint die Malerin.

Wozu wir Kunst brauchen? „Kunst und Kultur entwickeln sich mit gesellschaftlichen Veränderungen“, erklärt Vogelsang, „sie sind damit ein Abbild der Zeit.“ Die Freiheit der Kunst sei es, dass sie auch ernst, bissig oder perspektivisch wirken darf.

Zu den Künstlern, die für Vogelsang besonders bedeutend sind, zählen die zeitgenössische 1946 in Belgrad geborene Performance-Künstlerin Marina Abramovic und die ebenfalls zeitgenössische Schweizer Videokünstlerin Pipilotti Rist, die unter anderem durch schrille Filme auf die Geschlechterrollen verweist. Abramovics radikale, oft verstörende Aktionen und Performances thematisieren die Grenzen des menschlichen Körpers und unsere Lebensgewohnheiten. 

2014 lebte sie über zwei Monate unter dem Arbeitstitel „512 Hours“ in der Londoner Serpentine Gallery. Sie begrüßte das Publikum persönlich. Außer der Künstlerin gab es nichts in der Ausstellung. Taschen, Jacken und elektronische Geräte mussten die Besucher am Eingang abgeben.

Wenn Vogelsang jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eines ihrer Rosa-Bilder als Dankeschön an Klara Schärr, die als Co-Autorin eine Biografie zu Rosa Luxemburg schrieb und Vogelsang ein Buch schenkte.

Mehr zum Thema:

Ermittler verdächtigen Patientin der Brandstiftung

Ermittler verdächtigen Patientin der Brandstiftung

Luftangriff auf nordsyrische Stadt Aleppo trifft Klinik

Luftangriff auf nordsyrische Stadt Aleppo trifft Klinik

Floyd Unlimited in Hoya

Floyd Unlimited in Hoya

Die neuen E-Autos aus Paris

Die neuen E-Autos aus Paris

Meistgelesene Artikel

Es geht aufwärts

Es geht aufwärts

Schuhgeschäft Wachendorf in der Bremer City schließt nach 140 Jahren

Schuhgeschäft Wachendorf in der Bremer City schließt nach 140 Jahren

Bremer stirbt bei Segelunfall vor Sankt Peter-Ording

Bremer stirbt bei Segelunfall vor Sankt Peter-Ording

„Venuslauf“ mit neuer Rekordmarke

„Venuslauf“ mit neuer Rekordmarke

Kommentare