Die Emirate in sieben Tagen - das bedeutet Shopping, Hochhäuser anschauen und eine Wüsten-Safari. Der Arabische Golf ist ein perfektes Kreuzfahrt-Ziel.

© dpa
Empfang mit Tamtam: Die MS Europa, jüngst wieder zum besten Kreuzfahrtschiff der Welt gekürt, kommt auf ihrer Weltreise im April 2010 wieder nach Dubai.
Die Emirate haben mich nie gereizt. Sagen Sie jetzt nicht, ich hätte Vorurteile, aber: Was kann man in Dubai & Co. schon machen. Am Strand liegen? Kann ich woanders auch. Ski fahren in der Halle? Ich sage nur Bottrop. Aber einkaufen, Hochhäuser anschauen, eine Tour in die Wüste machen, einfach mal einen Blick drauf werfen. Ein, zwei Tage und dann wieder weg – das klingt interessant. Deshalb ist der Arabische Golf das perfekte Ziel für eine Kreuzfahrt. Und mindestens ein Kamel ist immer dabei.
Spät am Vorabend bin ich in Dubai angekommen. Ich verzichte deshalb heute auf einen Ausflug in die Wüstenstadt der tausend Baustellen, denn am ersten Tag ist auf einem Schiff viel zu tun: Wo sind Restaurant, Buchungsbüro, Bar, Pool, wo gibt’s Badetücher, welche Show läuft wann? Und: Wer bei der Buchung der Ausflüge zu spät kommt, muss nehmen, was übrig bleibt. Ich wähle „Höhepunkte von Maskat und Nakhl”, in Fujairah die Safari, in Abu Dhabi die Stadtrundfahrt. Das archäologische Erbe von Bahrain ist schon ausgebucht. Bleibt „Kultur und Geschichte“.
Um 14 Uhr legt unser Schiff ab. Keine Menschenmenge am Pier, kein Taschentuchwinken – Kreuzfahrthäfen gibt es am Arabischen Golf nicht. Dubai verfügt bisher nur über ein kleines Terminal, das sich völlig unromantisch im Containerhafen befindet. Im Januar 2010 soll der neue Terminal im Port-Rashid-Komplex eröffnet werden. Noch ein Blick auf die Skyline. Das hat was. Wann gibt’s Abendessen?
Wir haben die Straße von Hormuz passiert und am Golf von Oman Maskat angesteuert, die Hauptstadt des Sultanats. Per Bus geht es zum Al-Alam-Sultanspalast. Den kann man sich nur von außen angucken, deshalb beeilt sich der örtliche Fremdenführer, zum Museum Bait Al Zubair und weiter zum Souk von Muttrah zu kommen – Basare sind schließlich typisch arabisch. Doch es ist Mittagspause, alles ist geschlossen. Abgesehen von zwei Händlern, die unser Fremdenführer – so ein Zufall! – persönlich kennt. Die Mitreisenden decken sich mit Souvenirs ein. Ich komme mir veralbert vor und verzichte.
Zwei Stunden dauert die anschließende Fahrt zu den mineralischen Quellen von Nakhl. An den Hochufern eines breiten, meist trockenen Flussbetts sickert badewasserwarmes Nass aus den Felsen. Es sammelt sich in steinernen Becken, in denen Einheimische baden. Eine andere, eine stille Welt. Kurz innehalten, tief einatmen. Und zurück zum Schiff.
Abendessen. Mein Tischnachbar erklärt mir, in der DDR sei alles besser gewesen. Wer brauche schon Reisefreiheit, am Schwarzen Meer war der Urlaub schließlich auch ganz schön.
Fudschairah entpuppt sich als das Emirat mit dem gewissen Nichts. Und damit als beste Gelegenheit, mit dem Jeep durch die Wüste zu brettern. Denn mit Wüsten-Safaris verhält es sich wie mit Souks – man muss mal dabei gewesen sein. Abdul heißt der Fahrer des Geländewagens, in dem ich einen Sitz zugewiesen bekomme.
Abu Dhabi ist das bessere Dubai: Nicht so überlaufen von Touristen, die Shopping-Center halten sich (noch) in Grenzen. Man prahlt mit dem monströsen Luxushotel Emirates Palace, einem Bau doppelt so lang wie Versailles und mit einer Kuppel versehen, die höher ist als die des Petersdoms in Rom.
Abendessen. Mein Tischnachbar, angeblich ein Landwirt, der seinen Hof gerade den Kindern vermacht hat und nun das Geld auf Kreuzfahrten verprasst, beschwert sich, in der Suppe sei kein Spargel.
Eine Gewalttour mit dem Bus durch die Geschichte Bahrains – hochspannend (wer denkt schon daran, dass es auch hier Ausgrabungsstätten gibt), aber auch anstrengend.
Zurück im Basishafen. Über Dubai ist so viel geschrieben worden: die Hochhäuser, das segelförmige Superlative-Hotel Burj Al Arab, die Palmeninsel mit den Promi-Villen, die Baukräne. Aber wenn man mal da ist, dann ist es doch überwältigend. Sehr empfehelenswert: Eine Fahrt mit einem Bötchen, das hier Abra heißt, zeigt die Stadt von einer anderen Seite.
Eineinhalb Tage Dubai, das genügt, um zumindest einen Eindruck zu bekommen. Ski fahren auf Sanddünen oder vielleicht doch Ski fahren auf Kunstschnee in der Halle oder einen (jetzt geöffneten) Souk besuchen oder mit Fischern hinaus in die „Warm Blue Waters“ des Persischen Golfs. Oder vielleicht doch das unvermeidlich scheinende Shopping. Koffer packen, Abfahrt, Abflug.
Abendessen. Wieder daheim. Der Kühlschrank ist leer, es gibt Ravioli aus der Dose. Kein Tischnachbar, der sich beschwert. Irgendwie vermisse ich ihn.
Torsten Wellman
EINREISE Ein Reisepass ist notwendig. Bei der Einreise in die Vereinigten Arabischen Emirate wird ein Visum erteilt. Auch bei der Einreise in den Oman und nach Bahrain gibt‘s ein Visum.
WÄHRUNG Die Währung der VAE ist der Dirham. Ein Euro entspricht derzeit einem Gegenwert von ca. fünf Dirham.
SICHERHEIT VAE, Oman und Bahrain gehören zu den sichersten Ländern des Mittleren Ostens mit einer äußerst niedrigen Kriminalitätsrate. Beim Betreten und Verlassen der Häfen wird jeweils kontrolliert. Eine Kopie des Reisepasses muss man dann immer parat haben.
BESONDERHEITEN Alle Kreuzfahrtziele der VAE sind muslimisch geprägt. Frauen sollten bei Ausflügen dezente, langärmelige Kleidung tragen. Auch bei großer Hitze sollten Männer auf das Tragen kurzer Freizeitkleidung verzichten. Während des Fastenmonats Ramadan ist öffentliches Essen, Trinken, Rauchen und selbst das Kauen von Kaugummi von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auch für Nichtmuslime bei Strafe verboten.
TIPPS AN LAND: Fast schon ein Klassiker, aber dennoch ein Tipp: der Goldsouk von Dubai im Stadtteil Deira mit über 300 Juweliergeschäften. Die Goldpreise in Dubai gehören zu den günstigsten der Welt, dennoch sollte man im Feilschen nicht unerfahren sein. Wer Geschwindigkeit und außergewöhnliche Sportarten mag, wird Sand-Skiing in der Wüste Dubais lieben. Auf speziellen Skiern saust man von hohen Sanddünen ins Wüstental. Viele Reisebüros in den VAE organisieren vor Ort die Touren und stellen auch die Ausrüstung zur Verfügung.
ANBIETER COSTA CROCIERE schickt im Winter 2009/2010 zwei Schiffe nach Dubai: Neben der Costa Europa wird auch das größte Schiff der Reederei, die Costa Luminosa, in Dubai stationiert. Tel. 01805/267825, www.costakreuzfahrten.de.
PREISBEISPIELE Siebentägige Kreuzfahrt mit der Costa Luminosa ab 999 Euro inklusive Flug ab/bis Deutschland, mit der Aidadiva ab 599 Euro zuzügl. Flug und mit der Brilliance of the Seas ab 835 Euro. Über www.kreuzfahrten.de



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