Ein Selbstversuch: Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff

Hilfsscout auf der "Aida Blu": Michael Zehender auf Madeira. Foto: Michael Zehender
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Hilfsscout auf der "Aida Blu": Michael Zehender auf Madeira. Foto: Michael Zehender
Selbstversuch auf der "Aida Blu": Wie fühlt sich das an: Arbeiten auf einem Kreuzfahrschiff? Foto: Michael Zehender
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Selbstversuch auf der "Aida Blu": Wie fühlt sich das an: Arbeiten auf einem Kreuzfahrschiff? Foto: Michael Zehender
Die Scouts sorgen auch dafür, dass die Passagiere den richtigen Bus finden. Foto: Aida Cruises
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Die Scouts sorgen auch dafür, dass die Passagiere den richtigen Bus finden. Foto: Aida Cruises
Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Auch Scouts gehören zur Crew auf einem Kreuzfahrtschiff. Foto: Aida Cruises
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Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Auch Scouts gehören zur Crew auf einem Kreuzfahrtschiff. Foto: Aida Cruises
Neben der Begleitung von Ausflügen beraten die Scouts die Passagiere auch an Bord. Foto: Aida Cruises
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Neben der Begleitung von Ausflügen beraten die Scouts die Passagiere auch an Bord. Foto: Aida Cruises

Koch, Techniker, Entertainer - Reedereien suchen die unterschiedlichsten Menschen für die Arbeit auf Kreuzfahrtschiffen. Doch wie fühlt es sich an, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen? Ein Selbstversuch als Ausflugsscout auf der "Aida Blu".

Funchal (dpa/tmn) - Erste Lektion: Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff bedeutet früh aufstehen. Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker. Fast das ganze Schiff schläft noch, als ich mich wenig später auf den Weg ins Restaurant zum Frühstück mache. Lohn für das frühe Aufstehen: der tolle Blick auf das erwachende Madeira mit seiner Hauptstadt Funchal.

Auf der portugiesischen Atlantikinsel schlüpfe ich für einen Tag in die Rolle des Ausflugsscouts - um einen Eindruck davon zu bekommen, wie es sich anfühlt, an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zu arbeiten.

Dienstbeginn: 8.00 Uhr. Kerstin wartet schon im Büro der Ausflugsabteilung auf Deck 5 der "Aida Blu". Mit ihr stehe ich heute im Dienstplan als Scout für den Ausflug "MAD03 - Malerische Aussichten". 148 Passagiere haben sich für diesen viereinhalbstündigen Trip entschieden.

Im Büro gibt es ein erstes kurzes Briefing: Welche Besonderheiten gibt es auf der Tour? Sind irgendwelche Probleme zu erwarten? Wichtigstes Utensil neben dem Erste-Hilfe-Set: eine blaue Mappe mit dem Aufdruck der Ausflugsnummer. Darin befinden sich eine Liste der Teilnehmer und eine genaue Checkliste für die Scouts. Ausgestattet mit einem roten Aida-T-Shirt und einem Anstecker, der mich als Hilfsscout ausweist, geht es in die "Aida Bar", den Treffpunkt für die 148 Teilnehmer.

Die wichtigste Aufgabe der Scouts dort: alle abhaken. "7140 - zwei Personen", "5238 - drei Personen" - das Ganze mehr als 100 Mal. Für 8.45 Uhr ist eigentlich die Abfahrt angesetzt, doch zehn Personen fehlen. Kerstin schnappt sich ein Mikrofon und fragt in die Runde, ob sich jemand noch nicht angemeldet hat. Dann geht es ans Telefon, um in den Kabinen anzurufen. "Wir haben uns beim Frühstück verspätet", lautet eine Entschuldigung.

In den Bussen übernehmen die örtlichen Reiseleiter das Kommando. Kerstin und ich suchen uns in der letzten Reihe einen Platz. Zweite Lektion: Der Job als Scout bedeutet viel Papierkram. Minutengenau muss ich protokollieren, wann wir abfahren, wann wir an den einzelnen Stopps ankommen, ob die Fahrtzeit mit dem Programm übereinstimmt. Da die Ausflüge jeweils von Agenturen vor Ort angeboten werden und nicht von der Reederei selbst, ist immer wieder ein Check nötig.

Lektion drei: Was fragen Touristen bei den Stopps garantiert als erstes? Richtig! Keine Minute dauert es am ersten Stopp: "Wo ist denn hier die Toilette?" Kerstin weiß von einer früheren Tour Bescheid und gibt freundlich Auskunft. Der Ausblick vom Eiro de Serrado ist traumhaft, doch viel sieht man davon als Scout nicht. Es gibt Wichtigeres zu erledigen: Stufen zählen. Das ist keineswegs ein Beschäftigungsprogramm der Reederei für die Scouts. Die Zahl der Stufen ist wichtig, da immer wieder auch Rollstuhlfahrer mit auf die Ausflüge gehen wollen. Und da müssen die Scouts bei der Buchung genau Auskunft geben können, welcher Ausflug sich für wen eignet.

Weitere wichtige Aufgabe: Fotos machen. Denn Lektion vier: Urlauber wollen sich gerne zu Hause Freunden und Nachbarn vor allen möglichen Sehenswürdigkeiten präsentieren können. Und so bieten wir uns immer wieder als Fotografen an - Pärchen vor dem Abgrund, Familien vor dem Abgrund, Einzelreisende vor dem Abgrund.

Lektion fünf: Auf keinen Fall jemand vergessen! Deshalb: durchzählen. Nach jedem Stopp einmal von vorne nach hinten durch den Bus. 1, 2, 3, ... 47 - alle da, es kann losgehen. Am letzten Stopp nach der Poncha-Probe im Fischerdorf Camara de Lobos - für die Scouts gibt es aufgrund der Null-Promille-Grenze nur Saft - fehlt tatsächlich ein Pärchen. Kerstin spurtet in den Ort zurück. Wenig später kommt sie mit den beiden zurück. Sie hatten sich mit der Abfahrtszeit vertan.

Um 13.30 Uhr sind die drei Busse wieder am Schiff. Während die Gäste zum Mittagessen gehen oder sich auf der Kabine frisch machen, gibt es für die Scouts eine Nachbesprechung. Damit ist der Arbeitstag aber noch lange nicht vorbei. Am Nachmittag steht noch die Ausflugspräsentation für den nächsten Hafen auf dem Programm, danach Ticketverkauf und am Abend Hilfe in anderen Bereichen des Schiffes, zum Beispiel als Einweiserin im Theater. Lektion sechs: Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff bedeutet, spät ins Bett zu gehen.

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