Grusel-Website www.spukorte.de listet vier Orte in Verden

Spukorte in Verden: Alle Geister sind schon tot

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Die Gruselvilla am Burgberg in Verden, in der es definitiv nicht spukt.

Von Mara Schumacher. Gruselgeschichten gibt es, seitdem es die Menschheit selbst gibt. Was wir uns nicht erklären können, erklären wir uns mit Dingen, die es eigentlich gar nicht gibt. Und diese Dinge sind eben gruselig, weil wir sie nicht kennen und nicht kontrollieren können. Im Web kursieren viele Geschichten, die frei erfunden sind, auch bekannt als Creepypasta.

Aber auch bekannte Mythen werden gerne diskutiert, da sich offenbar ziemlich viele sicher sind, dass es Geister und Kreaturen wie Nessi und Bigfoot doch geben muss. Man hatte als Kind ja nicht umsonst Angst vor dem Monster im Schrank und hat sich unter der Bettdecke verkrochen, oder etwa nicht? Niedersachsen hat allerhand Spukorte im Angebot, an denen es nicht mit rechten Dingen zugehen soll. Da gibt es seltsame Geräusche, dunkle Schatten und noch dunklere Legenden. Die Website www.spukorte. de bündelt diese Geschichten je nach Bundesland und spu(c)kt für Niedersachsen sechs Gruselstories aus, vier davon spielen sich in Verden ab. Grund genug, dort einmal hinzufahren und sich vor Ort ein Bild zu machen. Ob ich wohl richtige Geister sehen werde?

Alte Villa am Burgberg, Verden

Am Burgberg steht eine alte, verlassene Villa. Dort wurden dunkle Messen abgehalten, an den Wänden findet man seltsame Symbole. Auch eine erhängte Katze wurde in einem Raum der Villa gefunden, wenn man Diskussionen im Mystery-Forum www.allmystery.de glaubt. Anwohner erzählen sich zweifelhafte Geschichten über die Vergangenheit und Besitzer des Hauses. Fakt ist: Die Villa sieht aus wie eine waschechte Horrorfilm-Kulisse, aber ob es da wirklich spukt?

Mein erster Eindruck: Yeah, die ist tatsächlich gruselig! Die Hauswände sind marode, die Fenster eingeschlagen und das komplette Grundstück ist mit irgendwelchen Sträuchern zugewuchert. Da man von der Straße aus nicht viel sehen kann, muss ich mich durch den Urwald kämpfen. Das freut vor allem unzählige Mücken, die sich direkt über mich her machen.

Laut Gruselforen im Web konnte man bislang problemlos in die Villa reinspazieren, aber das passte wohl einigen Leuten nicht: Mittlerweile sind alle Türen zugenagelt oder mit Schlössern verriegelt. Schade, denn das Einzige was VOR der Villa gruselig ist, sind die Spinnenweben, die alle zwei Minuten in meinem Gesicht kleben bleiben. Ich laufe das komplette Grundstück ab und hoffe, dass mich die Nachbarn nicht sehen. Es ist zwecklos: Ich finde keinen einzigen freien Eingang. Lediglich im Obergeschoss gibt es offene Fenster, durch die man sich schlängeln könnte. Doch leider habe ich keine Leiter dabei und vertraue meinen Kletterkünsten auch nicht so besonders. Immerhin schaffe ich es, auf ein massive Treppengeländer zu kraxeln und durch ein kleines Fenster Fotos aus dem Inneren der Villa zu machen: Ziemlich schäbig sieht's da aus. Mit Graffiti ist auf eine Wand "Wir waren hier" gesprüht. Und ein Penis. Wie schön. Die Gruselatmosphäre schwindet langsam. Ich gehe wieder zur Hinterseite der Villa. Auch da finde ich Graffiti-Mist an den Wänden: Da steht irgendwas von Satanic, alles auf Latein. Check ich nicht. Das bestätigt allerdings die Mutmaßungen im Web, dass in der Villa satanische Messen abgehalten wurden. Eine Wand weiter wurde großzügig "Der Tod ist neher als ihr denkt" aufgesprüht. Bei den Rechtschreibkenntnissen werden die Sprayer auf jeden Fall bald vom sprachlichen Tod eingeholt.

Ach man, obwohl es draußen schon dämmert und regnet, ist es überhaupt nicht gruselig. Ich hoffe ja insgeheim, dass ich in einem der Fenster plötzlich ein Gesicht entdecke oder zumindest unerklärliche Geräusche höre. Aber es passiert einfach nichts. Ich glaube, ich muss tatsächlich mal nachts zur Villa fahren und da irgendwie reinkommen. Ziemlich enttäuscht gehe ich wieder zurück zum Auto und latsche dabei fast in Hundekacke. Was für ein schlechter Start meiner Gruseltour.

Verdener Orte, an denen es NICHT spukt

Allerwiesen, Verden

Hier soll nachts eine weiße Frau über die Wiesen wandeln. Sie wurde angeblich von mehreren Campern gesehen, soll aber nichts Böses im Schilde führen. Beweise gibt es (natürlich) keine. Vielleicht bekomme ich ja heute welche. Von der ungruseligen Spukvilla fahre ich zu den Allerwiesen. Auf dem Weg dorthin komme ich an der "Bürgermeister-Pfannkuche-Straße" vorbei. Hihi, das find ich total lustig. Bin halt leicht zu begeistern. Meine Navi-Stimme (die ziemlich unfreundlich ist) gibt derweil seltsame Anweisungen: "Rechts-abbiegen-auf-Schackespearre-Platz." Was für'n Ding? Ich sehe keine Straße, die so heißt. Ich fahre fünfmal im Kreis, bis ich checke, dass die werte Dame in meinem Handy den Shakespeare-Platz meint. Alter, lern mal Englisch!

Angekommen bei den Allerwiesen bin ich schon wieder total ernüchtert: Rund um die Wiesen sind überall Häuser und es ist rein gar nicht gruselig, im Gegenteil: Die Kulisse lädt zum Picknick machen ein. Das ist allerdings auch nicht möglich, weil schon wieder überall Hundekacke rumliegt. Die weiße Frau ist nirgends zu sehen. Wieso eigentlich weiße Frau? Wie ist das gemeint? Ist die besonders blass oder hat sie ein weißes Nachthemd an? Egal, anscheinend schläft sie ja eh gerade. Vielleicht ist sie auch aus Versehen in einen der Strommasten geschwebt und zum zweiten Mal gestorben.

Mir ist langweilig. Ich laufe die Aller auf und ab und komme zu dem Fazit, dass es hier allerhöchstens zum Gassigehen spannend ist. Weiße Frauen sucht man hier vergebens. Auf dem Rückweg zum Auto entdecke ich allerdings doch noch etwas Gruseliges: Auf einem Strommast haben sich unzählige Krähen oder Raben versammelt und lauern dort, als wollten sie sich auf etwas stürzen. Vielleicht sind das die Gefährten von der weißen Frau, die die Allerwiesen beobachten. Bäh, ich hasse Vögel. Schnell laufe ich zum Auto, bevor ich von Schnäbeln attackiert werde.

B215 zwischen Stedebergen und Dörverden

Auch hier schlendert angeblich eine weiße Frau durch die Gegend. Sie soll zwischen zwei und drei Uhr nachts auf der Straße erscheinen, wenn man zu schnell fährt. Auf der Strecke sind zahlreiche schwere Unfälle passiert, einige mit Todesfolge. Man munkelt, dass die Frau eine Warnung darstellt oder vielleicht sogar der Auslöser der Unfälle ist. Beweise gibt's auch hier keine. Bevor ich losgefahren bin, warnte mich mein Papa noch. "Pass auf, die Strecke ist tückisch!" Und vor Ort bestätigte sich das: Auch wenn es über weite Teile immer geradeaus geht, sind immer wieder sehr scharfe Kurven im Straßenverlauf. An Tempolimit 70 und Überholverbot halten sich wahrscheinlich auch nicht alle, auch wenn das auf dieser Strecke mehr als vernünftig ist.

Aber davon mal ab: Weiße Frau nicht zu sehen. Okay, es ist auch nicht zwischen zwei und drei Uhr, sondern kurz vor 22 Uhr. Könnte aber ja trotzdem sein, dass die Gute hier durch die Gegend spukt. Ich bin mir fast sicher, dass es sich bei der Frau um die selbe handelt, die auch die Allerwiesen unsicher machen soll. Mal ist sie hier, mal da. Teilzeit-mäßig. Laut spukorte.de wandelt auch in Böddeken (Nordrhein-Westfalen) eine weiße Frau. Vielleicht ist sie momentan gar nicht in Verden, sondern in Böddeken? Dauert ja auch ne Weile, bis man dahin geschwebt ist. Mir ist schon wieder gähnend langweilig, meine Füße sind total nass und mir ist kalt. Ob ich mich heute noch grusel? Eine Chance habe ich noch, also auf nach Groß Hutbergen. Da wohnen bestimmt ganz viele Hütchenspieler, hihi.

Spukhaus, Groß Hutbergen 

Das angebliche Spukhaus wurde 1999 von einem Paar bezogen. Elektrische Geräte fingen an zu spinnen, die Frau sah nachts gruselige Gestalten und es entstanden seltsame Fotoaufnahmen im Haus. Auch der Hund der Familie drehte ab und zu durch. Das Haus diente früher als Verwaltungsgebäude einer Ziegelei in Groß Hutbergen, die Ziegelei wurde irgendwann abgerissen. Ob der Spuk auch heute noch aktiv ist, weiß man nicht. Das Paar wohnt nicht mehr in dem Haus. Der Weg dorthin ist mehr als schwierig, weil ich keine genaue Adresse hab, sondern nur die grobe Info "Da beim Sportplatz irgendwo". Aha, ich fahre also da beim Sportplatz die Straße rein und suche ein Haus, was dem auf www.spukorte.de ähnlich sieht.

In einem Wohngebiet halte ich an und inspiziere die Gegend. Ne, hier steht das Haus nicht. Ich werde derweil argwöhnisch von einem Mann mit Hund beobachtet. Der denkt bestimmt, dass ich die Siedlung abchecke, wo man nachts am besten einbrechen kann. Tz, keine Sorge, ich schaffe es ja nicht mal, in ein verlassenes Haus reinzukommen. Ich fahre wieder weiter und biege in eine andere Straße ein (Groß Hutbergen ist Gott sei Dank sehr übersichtlich) und taaadaa: Da steht das Haus, direkt an der Straße vor einem Neubaugebiet. Gruselig ist das alles schon wieder überhaupt nicht. In dem Haus scheinen wieder Leute zu wohnen, denn es brennt Licht. Erst will ich klingeln, aber andererseits will ich die auch nicht mit dem Spuk-Quatsch nerven. Ich mache unauffällig ein Bild von der Straße aus. Von wegen Spuk, wahrscheinlich hatte die Frau, die sich damals von Geistern belästigt fühlte, einfach einen Dachschaden oder hat einen Grund gesucht, endlich aus dem öden Groß Hutbergen wegzuziehen, wo ich leider auch keine Hütchenspieler gesehen habe.

So, ich habe alle vier Orte abgeklappert. Von Spuk keine Spur. Als ich nach Hause fahre, passiert doch noch etwas Seltsames: Meine Autoscheiben beschlagen plötzlich ohne Grund! Und ich schwöre, dass ich nicht an der Klimaautomatik herumgespielt habe! Mittlerweile ist es dunkel und ich bekomme Angst! Vielleicht spukt es nicht in Verden, sondern in meinem Auto? Sitzt die weiße Frau etwa auf der Rückbank? Ich schaue vorsichtig in den Rückspiegel, aber da sitzt niemand. Puh, nochmal Glück gehabt.

Fazit

Gruseltechnisch ist Verden wahrscheinlich die langweiligste Stadt der Welt und ich bin derbe enttäuscht! Ich dachte, mein Puls rast in die Höhe und ich muss mit schwerem Geschütz gegen weiße Frauen kämpfen, aber nee. Tja, Verden assoziiere ich dann in Zukunft leider nicht mit Spuk und Schrecken, sondern weiterhin mit Kfz-Zulassungsstelle und Arbeitsagentur. Laaaaangweilig. Mein Tipp: Lieber Horrorfilme gucken!

Gewinnspiel

In Verden hab ich mich nicht gegruselt, aber dafür geben wir euch die Chance, RICHTIGEN Horror im Hamburger Dungeon zu erleben! Dort ist nämlich der grausame Serienmörder "Jack the Ripper" in den Sommerferien zu Gast. Wir verlosen 5x2 Freikarten für den Gruselausflug - wie das geht? Hier klicken!

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