Künstler unterwegs: In Durban sind zurzeit Bremer Kunstwerke zu sehen

Übertragung des Blickwinkels

Patricia Lambertus, Martin Voßwinkel, Eugenia Gortchakova, Edeltraut Rath, Jürgen Amthor, Marion Bösen (v.l.) in der Durban Art Gallery. - Fotos: privat

Bremen - Von Rolf Stein. Buten un binnen, wagen un winnen – so lautet ein alter Bremer Wahlspruch. Es ist die Losung der Bremer Kaufleute, die schon vor der Globalisierung ihr Gewinnstreben nicht auf den Flecken Erde, der Bremen war und ist, beschränken wollten. In gewisser Weise sind auch Bremens Künstler der devise treu, auch wenn ihr Gewinn sich oft weniger genau bemessen lässt als der der Kaufmannschaft. Noch bis zum 22. August sind in der Durban Art Gallery in der südafrikanischen Hafenstadt –  und seit 2011 Bremens Partnerstadt –  Arbeiten von elf Bremer Künstlern zu sehen. Wir sprachen mit der Initiatorin des Projekts, Edeltraut Rath, sowie den Videokünstlern Jürgen Amthor und Marikke Heinz-Hoek.

Südafrika ist weit weg – wie kommen Bremer Künstler zu einer Ausstellung in Durban?

Edeltraut Rath: Organisiert hat dieses Projekt der „Partnerschaftsverein Bremen – Durban“, der sich im November 1999 gegründet hat. In dieser Form findet das zum ersten Mal statt.

Hatten Sie schon vorher Kontakte nach Südafrika?

Rath: Ich bin Wandmalerin und habe 2003 mit einem südafrikanischen Künstler eine Wand eines Schulzentrums in Bremen Obervieland bemalt. Danach gab es immer wieder Austauschprojekte. Entweder habe ich dort gearbeitet, oder Künstler aus Durban kamen nach Deutschland. 2012 haben wir zum Beispiel den Concordia-Tunnel in Bremen gestaltet. Eine Ausstellung wie „There Are Places I Remember“, die zurzeit noch in Durban zu sehen ist, hat es allerdings vorher noch nicht gegeben.

Warum beschäftigen Sie sich in der Ausstellung mit dem Thema Erinnerungen?

Rath: Als wir am Concordia-Tunnel gearbeitet haben, waren die südafrikanischen Künstler für zwei Wochen in Bremen. Wir merkten, dass unser Vorhaben in der Zeit kaum zu schaffen war. Die Kulturbehörde hat deshalb weitere Künstler angesprochen, die uns helfen sollten, den Tunnel fertigzustellen. Ulli Barde, der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, hatte dann die Idee zu einem Projekt zum Thema Kunst und Erinnerung. Er arbeitet an einem Austausch mit dem Museum für Lokalgeschichte in Durban und wollte, dass das Thema von bildenden Künstlern aufgegriffen wird. Aufhänger war der Aufstand in Soweto am 16. Juni – das sollte eigentlich unser Eröffnungstermin sein. Aber weil das ein Feiertag ist, haben wir die Vernissage dann einen Tag vorher gefeiert.

Wann waren Sie das erste Mal in Südafrika?

Mit Stadtmusikanten und Kollegen: Edeltraut Rath (2. v.l.) und Jürgen Amthor (r.) in Durban.

Rath: 2003, als ich mit dem südafrikanischen Künstler an der Schule in Obervieland gearbeitet habe, fuhr eine Delegation mit dem damaligen Bremer Bürgermeister Henning Scherf nach Südafrika. Ich habe damals zum südafrikanischen Honorarkonsul Volker Schütte gesagt, dass ich es sehr wichtig fände, wenn jemand aus Kunst und Kultur mitfahren würde. Scherf wollte aber auf gar keinen Fall jemanden aus der Kulturbehörde mitnehmen. Da sagte Volker Schütte, dann solle eben ich mitfahren. Doung Jahangeer, ein Architekt, hat dann mit mir in Durban einen Stadtrundgang gemacht. Das war hochinteressant, weil Durban auch architektonisch eine spannende Stadt ist, mit den unterschiedlichsten Baustilen vom Klassizismus über Bauhaus bis zum Art Deco. Ich habe auch gesehen, wo die Obdachlosen leben und sich die Flüchtlinge treffen. Es gibt in Durban sehr viele davon, vor allem aus Zimbabwe. Wir waren auch auf einem Voodoo-Markt, wo man als Weißer normalerweise nicht hingeht. Ich dachte mir, dass es toll wäre, wenn Jahangeer den Blickwinkel, den er auf seine Stadt hat, in Bremen zeigen würde. Deswegen habe ich überlegt, wie man das organisieren könnte. Das hat sich leider nie realisiert. Jetzt soll es aber auch eine Ausstellung mit südafrikanischen Künstlern in Bremen geben, in der sie uns einen Blickwinkel auf ihre Stadt zeigen. Am 26. Mai im kommenden Jahr soll die Eröffnung sein.

Welche Bremer Erinnerungsorte sind in Durban zu sehen?

Marikke Heinz-Hoek: Es gibt ja viele Orte, an die man nicht sofort denkt. Ich habe für die Ausstellung eine Videoarbeit ausgesucht über einen Bunker, den in Bremen kaum jemand kennt. Jeder kennt den U-Bootbunker „Valentin“, aber niemand kennt den Bunker „Hornisse“ in der Kap-Horn-Straße in Gröpelingen. Als ich mein Atelier dort hatte, ist mir dieser eher unauffällige Bunker aufgefallen. Erbaut wurde er in den Jahren 1944 und 1945 von Zwangsarbeitern. Obendrauf befindet sich heute ein Neubau, in dem eine große Spedition residiert. Der Bunker selbst ist heute ein Mahnmal. Für mich war das damals eine Entdeckung. Jürgen Amthor: Ich beschäftige mich seit Längerem unter dem Titel „Rememberti“ mit dem Rembertiring in Bremen. Im vergangenen Jahr gab es das Projekt „Sternenklause“. Das war die Rekonstruktion einer Kneipe, die es dort früher gegeben hat. Über die „Sternenklause“ hab ich Günter Lindemann kennengelernt, der in den 60er-Jahren in Südafrika tätig war. Als dann die Einladung nach Durban kam, habe ich mit ihm ein Interview auf Video gemacht, das jetzt in der Durban Art Gallery zu sehen ist. Er berichtet darin über die Apartheid und über die Begegnung mit einer anderen Kultur. Das war auch für das Publikum in Südafrika sehr eindrucksvoll. Daran angeschlossen hat sich eine Installation im Außenbereich der Galerie. Ich habe ein Logo zu meinem Projekt entwickelt, das ich im 3D-Drucker ausgedruckt und mit Sekundenkleber an der Rückseite von Straßenschildern befestigt habe. So habe ich das Projekt „Rememberti“ in Durban verewigt.

Wie viel Zeit hatten Sie vor Ort?

Rath: Wir waren 14 Tage in Durban. Ein Wochenende waren wir in einem Naturpark. Ansonsten hatten wir viel zu tun mit dem Aufbau. Nach der Vernissage hatten wir dann auch noch zwei Führungen – alles auf Englisch natürlich. Amthor: Es war auch schwierig, die Technik für Videoinstallationen aufzutreiben, aber das lag an der Galerie, die nicht unbedingt auf so etwas eingestellt war. Rath: Das Haus ist eher traditionell ausgerichtet.

Meinen Sie traditionell europäisch? Oder traditionell afrikanisch?

Rath: Eher afrikanisch. Heinz-Hoek: Bei uns lässt man der Kunst eher mehr Platz, damit sie sich entwickeln kann. Dort scheint man die Werke eher enger zu hängen.

Gibt es denn eigentlich überhaupt so etwas wie eine typische südafrikanische Kunst?

Heinz-Hoek: Wenn wir als Beispiel Buhle Wonder Mbambo nehmen, den diesjährigen Empfänger des Bremer Kunststipendiums, würde ich schon sagen, dass es auch bei uns zeitgenössisch wäre, wie er arbeitet. Seine Themen sind anders, bei ihm geht es sehr stark um die politische Situation in Südafrika. Aber es hat nichts mit irgendwelchen Klischees von naiver Kunst zu tun, die wir vielleicht im Kopf haben. Rath: Der Künstler, mit dem ich 2013 zusammengearbeitet habe, gehörte zu den Zulus. Er malte viele Situationen aus seiner Lebenswelt. Während der Apartheid durften die Schwarzen ihre Tradition nicht leben, ihre Kulturen wurden unterdrückt. Auf ihre Traditionen sind die Zulu heute sehr stolz. 2003, als ich mit der Bremer Delegation in Durban war, wurden wir auch zu einem Zulu-Stammestreffen eingeladen, da standen Zulu-Könige, die ein Leopardenfell über dem nackten Körper trugen, neben einem in Anzug und Krawatte.

„There Are Places I Remember“ ist noch bis zum 22. August in der Durban Art Gallery, in Durban, Südafrika, zu sehen. 

www.bremen-durban.de

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