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Mord im Karneval

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Glänzende Interpreten einer rauschhaft-opulenten Musik: Sangmin Lee (Simone Trovai), Kirsten Blanck (Violanta), Iris Wemme (Nerina) und Hans-Georg Priese (Alfonso). n © Foto: Heiko Sandelmann

Bremerhaven - Von Wolfgang Denker · Man nehme eine phantasievolle Inszenierung, eine glutvolle musikalische Wiedergabe und einen spannenden Opernkrimi – damit hat man die Zutaten für die letzte, sehr gelungene Opern-Premiere im Stadttheater Bremerhaven.

Das aufgeführte Werk ist eine veritable Rarität. Nur wenigen Opernfreunden dürfte „Violanta“ von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957) bekannt sein. Nur seine Oper „Die tote Stadt“ erscheint regelmäßig in den Spielplänen. Korngold, später einer der bekanntesten Filmkomponisten, schuf seine „Violanta“ im Alter von erst 17 Jahren und zeigte eine erstaunliche Reife. Er galt als Wunderkind und schrieb schon mit 11 Jahren ein Ballett.

Das Libretto zu „Violanta“ stammt von Hans Müller und führt in das Karnevals treiben im mittelalterlichen Venedig. Violanta, Gattin des Stadthauptmanns Simone, sinnt auf Rache an Alfonso. Der hatte einst ihre Schwester, eine Klosternovizin, verführt, die sich dann aus Scham ins Meer stürzte. Simone soll Alfonso töten. Aber dazu kommt es nicht, denn auch Violanta entbrennt bei der Begegnung mit Alfonso in Liebe zu ihm. Sie wirft sich schützend vor ihn und wird von Simone tödlich getroffen.

Regisseurin Petra Luisa Meyer hat die Geschichte in eine gespenstische Atmosphäre getaucht, zwischen Traum und Wirklichkeit. Zu Beginn werden alte Kinderphotos von Violanta und ihrer Schwester aus glücklichen Kindertagen projiziert. Die Geistererscheinung der toten Schwester ist durchgängig auf der Bühne und lenkt Violantas Taten. Das Bühnenbild von Okarina Peter und Timo Dentler verweigert ein realistisches Venedig-Ambiente und zeigt Vorhänge aus glitzernden Bändern. Es wird mit eindrucksvollen Lichtstimmungen und Projektionen gearbeitet. Die Liebesszene zwischen Violanta und Alfonso erinnert mit der im Text ausgedrückten Todessehnsucht an „Tristan und Isolde“, die Musik mehr an Richard Strauss. Meyer hat nicht nur diese Szene eindringlich inszeniert. der Abend wird insgesamt von einer spannenden, psychologisch motivierten Personenführung geprägt. Geschickt verdeutlich sie durch die Nebenfiguren das Karnevalstreiben.

Stephan Tetzlaff und das Städtische Orchester führten die rauschhafte, opulent instrumentierte Musik Korngolds prachtvoll auf. „Violanta“ wurde in Deutschland zuletzt 1993 in Darmstadt und Wiesbaden gespielt. Auch damals hatte Tetzlaff die musikalische Leitung. Seine Begeisterung für das Werk war auch jetzt in jedem Takt zu spüren.

In den Hauptpartien agierten hervorragende Solisten. Kirsten Blanck, erst kürzlich als Lady Macbeth von Mzensk zu bewundern, gestaltete die Titelpartie mit expressiv geführtem, hochdramatischem Sopran, der vor allem in der Höhe Glanz und Strahlkraft entwickelte. Hans-Georg Priese konnte in der durchgängig sehr hoch liegenden Partie des Alfonso mit heldischem, meist unforciertem Tenor überzeugen. Die eindrucksvollste Leistung kam von Sangmin Lee als Simone: ein in allen Lagen rund klingender Bariton, warm im Timbre und differenziert im Ausdruck.

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