"Das Viertel lebt" wird im Bremer Heartbreak Hotel vorgestellt

Am Zapfhahn

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Michael Quast (v.l., Die Friese), Fernando Guerrero (Eisen), Felix Grundmann (Heartbreak Hotel), Norbert Schütz (Litfass) und Sönke Busch (Kulturschutzgebiet) informieren im Heartbreak Hotel über das Festival.

Bremen -  Von Pascal Faltermann. Das Bier ist ausgetrunken, die Nacht neigt sich dem Ende zu, die Stadt wird leise. Im Bremer Heartbreak Hotel ist es noch laut. Der letzte Absacker auf dem Heimweg in den Morgenstunden wird im Regelfall leicht torkelnd in der rot beleuchteten Kneipe getrunken.

Am Montag servieren die Organisatoren hier den Starter für das Festival „Das Viertel lebt!“. Allerdings fließt Mineralwasser statt Haselnuss-Schnaps.

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Vertreter der Initiative Kulturschutzgebiet laden in die kleine, enge Raucherkneipe zu einer Pressekonferenz ein, um auf das Miteinander im Quartier aufmerksam machen. Vergilbte Tapete, abgegriffene Tischecken – zwischen Zapfhahn und goldenem Wandspiegel wirkt die Szenerie am Tage skurril. „Wir sind die Seismografen des Viertels, viele von uns arbeiten hier seit 25 Jahren als Club- oder Kneipenbesitzer“, erklärt Fernando Guerrero, Wirt im Eisen und Vorstandmitglied des Vereins Clubverstärker. Eine „Brandrede“ von Guerrero auf Facebook und ein Artikel auf Kreiszeitung.de hatten auf Anwohnerbeschwerden und einen starken Wandel in der Bremer Club- und Kulturszene aufmerksam gemacht. Das Thema explodierte, nicht nur in den sozialen Netzwerken. Vom Punker am Sielwall-Eck bis zum Politiker in der Bürgerschaft – die Debatte durchzieht alle Gesellschaftsschichten und Altersklassen. Die Kneipiers, Clubbesitzer und Veranstalter gingen mit den seit Jahren schwelenden Konflikten an die Öffentlichkeit, weil sie keine andere Lösung mehr sahen. „Es sind nur 0,1 Prozent der Anwohner, die klagen und sich beschweren. Aber die gehen immer härter vor“, sagt Felix Grundmann, Chef im Heartbreak Hotel. Sie hätten es nicht öffentlich gemacht, wenn diese Nachbarn mit ihnen sprechen würden, anstatt mit dem Anwalt zum Stadtamt zu rennen. Denn: Mit 95 Prozent dieser „neuen Generation von Anwohnern haben wir alle Problemlagen gelöst“, so Guerrero.

Die Kulturschaffenden standen kurz vor einem gemeinsamen Streik – ein Wochenende ohne offene Spielstätte im Viertel. Gefunden haben sie aber den positiveren Weg. Mit dem Festival „Das Viertel lebt!“, welches kein Festival im eigentlichen Sinne ist, da es keine Außenbühnen geben wird. Alle 34 beteiligten Locations hätten in der Vergangenheit mit Nachbarn unterschiedliche Probleme gehabt. Auch wenn Grundmann eher von der Hälfte ausgeht, glaubt Norbert Schütz (Vorsitzender des Clubverstärkers und Besitzer des Litfass), dass sich alle in irgendeiner Form mit Anwohnern auseinandersetzen mussten. Die meisten Probleme und Anliegen seien aber in Gesprächen gelöst worden. 

„Wir machen an diesem Abend das, was wir immer machen: Wir geben Musikern und Künstlern einen Raum“, so Norbert Schütz. „Wir zeigen geballt an einem Abend, was das Viertel über die vergangenen 50 Jahre zum Mittelpunkt des kulturellen Lebens in Bremen machte – Menschen und Musik“, ergänzt Sönke Busch. Zwischen Ostertor und Steintor treten 43 Musiker und Bands ohne Gage ab 19 Uhr auf.

Insgesamt beteiligen sich mehr als 170 Künstler. Vom Singer/Songwriter über Punk, Rock, Rap und Hip-Hop bis hin zu Ska, Soul und Jazz. Die Künstler stammen aus Bremen oder besitzen ihre Wurzeln dort. Teilnehmen werden Namen wie Flo Mega, Mad Monks, Flowin Immo, Velvetone, Grillmaster Flash, Rhonda, Faakmarwin und Ed Kröger. Außerdem ist eine Gruppe von neun Poetry-Slammern dabei, die von Location zu Location ziehen. Wer wann an welchem Ort spielt, geben die Veranstalter vorher nicht bekannt. Der Eintritt ist kostenlos und es gibt keine Außenbühnen. „Unser Ziel ist es, dass die Gäste in die Clubs kommen und das Viertel und seine Spielstätten neu entdecken“, erklärt Grundmann.

„Das Viertel lebt!“

Folgenden Locations nehmen am Festival am Freitag teil: AMS!-Impro, Beluga, Calavera, Capri Bar, Chinchilla, Cinema Ostertor, Die Friese, Eisen, Engel Weincafe, Fehrfeld, Haifischbecken, Heartbreak Hotel, Hegarty‘s, Heldenbar, Horner Eck, Im Lu, Kafe Lagerhaus, Küche 13, Kulturzentrum Lagerhaus, Lift, Lila Eule, Litfass, Maerz, Moments, Paradiso, Rock & Wurst, Rum Bumpers, Schauburg, Steintorschänke, Studio, Urlaub, Wohnzimmer, Zum Haltepunkt und Zum lustigen Schuster. pfa

Folgende Künstler sind dabei: AElement, Bintouition, brennholzverleih, Dare Deep, Department of Soul, Ed Kröger, The Eternal Spirit, Faakmarwin, Flinte, Flo Mega, Flowin Immo, Finner, Flying Soul Toasters, Grillmaster Flash, Gu, Gut Lack, Harrynecks, Heart of a Bear, Hühnergott, International Removals, Jonny Glut, Kazooya, Klangraum Pubmusic, Mad Monks, Mark Scheibe, Meatles, Mein lieber Schwan, Moving Houses, Mr. Swing, Olaf Kock, Paco Cabana, Pari Pari, Rhonda, Sönke Busch, Stehpisser, Stunnah, Suzannah Karenina, Sven Regener (Grußbotschaft), Swinging Fireballs, Sworn Liars, Terra Flop, The Shout, Velvetone, We Had To Leave, WirFürWen.

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