Die Bremer Philharmoniker zeigen in der Glocke Südamerika aus ihrer Sicht

Es kracht und brummt

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Katia (l.) und Marielle Labèque beeindrucken mit ihrer Homogenität und ihrem Sinn für Rhythmus.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Gemessen an den vergangenen Sinfoniekonzerten der Bremer Philharmoniker wies das letzte wieder einmal eine gut überlegte und schlüssige Programmstruktur auf. Und doch war alles anders: Unter dem Titel „Musikalische Verwandtschaften“ wurden vier Werke ausgewählt, die sich mit Impressionen von Landschaften beschäftigen. Dabei verlor man ein wenig die kompositorische Qualität aus den Augen und das sicht- und hörbar erfreute Adventspublikum wurde mit einer Orchestervirtuosität bombadiert, die es in sich hatte.

Peter Tschaikowskys „Cappricio Italien“ präsentiert mit Wucht, Schmackes, Sentiment und immer wieder viel Krach die auf der Straße gesammelten Eindrücke, die der Komponist in Rom hatte: der in Peru geborene amerikanische Dirigent Miguel Harth-Bedoya treibt das gut folgende Orchester in einen Tarantellataumel, dem man sich kaum entziehen kann. Aber es bleibt ein fragwürdiges Werk, zu dem der Komponist selbst wenig Vertrauen hatte und der Uraufführungskritiker Cesar Kjui meinte, es sei ein „wertvolles Geschenk für ein Gartenorchester“.

Dann der Auftritt der seit Jahrzehnten an der Spitze stehenden Klavierschwestern Katia und Marielle Labèque: Ihre stets spontan wirkende Homogenität, ihre schnellen Wechsel in völlig andere Klangfarben, ihr Sinn für Rhythmus beeindrucken im Klavierkonzert d-Moll für zwei Klaviere und Orchester von Francis Poulenc von Anfang bis Ende. Das Stück selbst aus dem Jahr 1932 ist ein derart wirres Stilgemisch, dass man gut daran tut, sich an das explosive Spiel der Schwestern zu halten.

Darius Milhaud erinnert sich 1920/21 mit seinen „Saudades do Brazil“ an Brasilien, das Stück ist viel zu lang und erzählt mit seiner wütenden Romantikabwehr nichts Nachvollziehbares. Das tut schon eher die Uraufführung des Konzertes „Perú Negro“ von Jimmy López, der 1978 in Lima geboren wurde, in Finnland studierte und heute in Kalifornien arbeitet. Trotz seiner brillanten Orchestereffekte reflektiert es durchaus die besondere Situation Perus: Auf der durchaus vorhandenen Basis der Musik der Ureinwohner und der aus Afrika eingeschleppten Sklaven wurde offiziell jahrhundertlang eher das (barocke) europäische Erbe gepflegt.

Die Komponisten der Generation von López kümmern sich wieder um ihre eigene Musik, die aber längst überlagert ist von einer internationalen Moderne. So bindet López in sein dem Dirigenten gewidmetes Stück die afro-peruanische Musik ein, in dem er verschiedene Tänze und Melodien zur Grundlage seines sehr eigenen Stiles macht. Ob das als Neue Musik gelten kann, scheint ihn dabei nicht zu interessieren: die peruanischen Holzkisten krachen und brummen und bringen dabei gekonnt glitzernde Orchestereffekte hervor.

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