Scheessel - Von Pascal Faltermann. „Wir wollen die Freiheit der Welt, und Straßen aus Zucker, schneien soll´s Geld und ab und zu Futter“ – das wünschen sich die Musiker der Gruppe Frittenbude in ihrem Lied „Mindestens in 1000 Jahren“. Im Interview sprechen die Elektopunker aber auch über weniger positive Erfahrungen wie den Abbruch ihres Konzerts beim Hurricane-Festival 2010 und das Leben aus dem Koffer.

Im Interview: Pascal Faltermann (l.) spricht während des Hurricane-Festivals mit Martin Steer (Gitarrist, v.l.), Sänger Johannes Rögner und Jakob Häglsperger (Drumcomputer, Synthesizer) von der Band Frittenbude. ·
Denken Sie noch häufig an den damaligen Abbruch?
Johannes Rögner:Ja, wir fanden das echt krass. Wenn du auf der Bühne stehst und merkst, dass etwas nicht in Ordnung ist und dann der Stage-Manager kommt und meint „Bitte nach dem nächsten Song abbrechen“. Und dann siehst du, dass an den Zelteingängen Polizisten, Securities und Festivalgäste aufeinander einhauen. Da macht man sich seine Gedanken.
Jakob Häglsperger: Wenn du wegen der Polizei aufhören musst zu spielen, ist das natürlich doof. Aber im Nachhinein ist das schon das Richtige gewesen. Ich habe beispielsweise ein Mädchen getroffen, die erzählt hat, dass sie draußen stand und sich eine Rippe gebrochen hat, weil es so eng war.
Johannes Rögner:Man ist im ersten Moment sauer, weil man das Konzert spielen will und die Leute das Konzert sehen wollen, aber im Endeffekt war es die einzig richtige Entscheidung.
Hatten Sie damals mit dem Ansturm gerechnet?
Martin Steer: Nein, überhaupt nicht.
Jakob Häglsperger: Während wir angefangen haben, hat Bonaparte noch im anderen Zelt gespielt. Und da dachten wir, dass die meisten Leute zu Bonaparte gehen.
Johannes Rögner:Bei Bonaparte gab es das gleiche Problem. Es waren zwei Zelte, bei denen fast etwas passiert wäre.
Jakob Häglsperger: Aber drinnen war es ja gar nicht überfüllt, drinnen war ja alles schick. Die Probleme gab es halt an den Eingängen, also draußen, von wo die Leute reingedrückt haben. Die Leute drinnen haben es ja erst im Nachhinein gecheckt.
Jakob Häglsperger: Da haben wir definitiv dazugelernt. Anfangs haben die Leute ja oft unsere Bühne gestürmt oder die Leute knallten beim Stagediven auf den Boden und verletzten sich.
Martin Steer: Man muss die Gäste zurecht weisen und ihnen sagen, dass sie auf sich und die Leute drumherum aufpassen. Manchmal ist es schon zu wild.
Jakob Häglsperger:Ja, wir müssen ihnen sagen, dass sie ruhiger werden oder ihnen auch mal Wasser anbieten. Und die Barrier (Zäune) und Leute, die sich auskennen, sind wichtig.
Also kann man zusammenfassen, dass alles sicher sein muss, die Leute aber auch ihren Spaß haben sollen?
Johannes Rögner:Ja, es muss abgehen ohne Ende, und wenn die Leute durchdrehen wollen, dann sollen sie auch durchdrehen – das ist ja der Sinn der Sache. Man geht ja nicht nur auf ein Festival um sich hinzustellen und ein paar Bands anzuschauen.
Jakob Häglsperger: Es sollte jede Möglichkeit bestehen: Also wenn du nach vorne gehen willst, um zu pogen, dann sollte man da Spaß haben. Aber wenn man sich von hinten ein Konzert chillig ansehen möchte, soll das auch möglich sein, ohne dass man die ganze Zeit was auf die Fresse bekommt.
Hat sich im Vergleich zu 2010 an Ihrer Performance etwas geändert?
Johannes Rögner: Ja, wir haben neue Songs, ein paar B-Seiten. Und wir spielen eh nie lange das gleiche Set. Denn es gibt ja auch Leute, die häufiger ein Konzert von uns besuchen.
Die Band soll im Auto entstanden sein, zudem sind Sie viel unterwegs. Ist das Auto ein bisschen ein Zuhause?
Jakob Häglsperger:Also ich will mich ja echt nicht beschweren. Uns geht es super gut. Aber was mich als Musiker etwas nervt, ist das lange Autofahren.
Johannes Rögner:Was noch hinzukommt, ist, dass man sich angewöhnt hat, aus dem Koffer zu leben.
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