Scheeßel sucht Besitzer skurriler Fundstücke 

Was vom Hurricane übrig bleibt

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Leon Drewes und Rebecca Merklinger zeigen einen Teil der 218 Fundstücke, die nach dem Hurricane-Festival liegen geblieben sind. Ihr persönlicher Favorit in diesem Jahr ist ein Tiger-Kostüm. 

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Das Hurricane-Festival ist zu Ende, nun folgt das Nachspiel: Während auf dem Eichenring gut vier Wochen später der Müll längst weggeschafft und wieder Ruhe eingekehrt ist, sucht das Fundbüro der Gemeinde Scheeßel nach den Besitzern von Handys, Geldbeuteln und Reisetaschen.

„Ich hoffe schon, dass sich einige Leute noch bei uns melden und nach den Sachen fragen“, sagt der Verwaltungsfachauszubildende Leon Drewes. Gemeinsam mit seiner Ordnungsamtskollegin Rebecca Merklinger musste der 19-Jährige jedes Fundstück zunächst einmal von Schlammresten und Schimmel befreien, anschließend säuberlich in eine Liste eintragen und nach Hinweisen auf den Besitzer durchsuchen. „Das arbeiten wir nun nach und nach ab“, meint Drewes, während er sich gerade die Gummihandschuhe, die er zur Säuberung der Fundsachen trägt, abstreift.

Von Spritzen bis zum Tigerkostüm

Zum Hurricane-Festival 2016 kamen 75.000 Besucher.

Was die Festival-Besucher so alles an Sachen verloren haben – welche in den vergangenen Wochen entweder über den Veranstalter („Lost & Found“) oder über die Polizei den Weg ins Rathaus gefunden haben –, darüber können die beiden Verwaltungsmitarbeiter teilweise nur mit dem Kopf schütteln: Neben etlichen Schlüsseln, Insulinspritzen, Gürteltaschen, Geldbeuteln, Kredit- und Krankenkassenkarten, einzelnen Ausweisen und Führerscheinen, finden sich auch Kauschienen fürs Gebiss und ein mannshohes Tigerkostüm – alles inzwischen fein säuberlich sortiert und in Schachteln sowie Kartons verstaut.

Nicht zu vergessen: die 40 mehr oder weniger hochwertigen Handys. Um sie betriebsfähig zu halten, kommen Ladekabel zum Einsatz. Immerhin könnte das eine oder andere Modell ja nicht mit einem Pin gesperrt sein. „Wir schauen dann im Telefonbuch des Gerätes nach, ob sich dort die Nummer des Eigentümers oder vielleicht des Partners finden lässt, um so Kontakt mit ihm aufzunehmen“, erklärt Rebecca Merklinger.

Einen Erfolg konnte das Duo auf diese Weise schon verbuchen: Über den Eintrag „Lena, die Geilste“ habe man die Freundin einer I-Phone-Besitzerin ausfindig gemacht, berichtet Drewes. „Das Handy kann sie sich nun nach ihrem Mallorca-Urlaub abholen.“

Ohnehin würden im Erfolgsfall die meisten persönlich ins Rathaus kommen, um ihre abhanden gekommenen Wertgegenstände in Empfang zu nehmen – ebenso jene, die dafür nun eine weite Anreise in Kauf nehmen müssen. „Natürlich verschicken wir die Sachen auch per Post, sofern der Empfänger die Portokosten aus seiner Tasche zahlt – darauf wollen viele aber gar nicht erst warten“, hat Drewes festgestellt, dessen Telefon wegen der Abwicklung in diesen Tagen nicht still steht.

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Fundstücke bei Versteigerung

Wenig verwunderlich, beläuft sich die Zahl der Festival-Erinnerungsstücke, die sich derzeit in der Obhut der Gemeinde befinden, auf stolze 218. „Die Dinge, die auch nach sechs Monaten niemand vermisst, kommen bei unserer nächsten Fundsachen-Versteigerung unter den Hammer“, so Rebecca Merklinger. Davon ausgenommen seien jedoch Schlüssel und – aus Datenschutzgründen – Mobiltelefone. „Die werden in diesem Fall vernichtet“, erklärt ihr Kollege, während just in diesem Moment auf seinem PC-Bildschirm eine weitere E-Mail eines Suchenden aufploppt.

„450 Nachrichten sind es schon, die seit dem ersten Anreisetag des Festivals bei uns eingelaufen sind“, meint Drewes. Inzwischen sei er immerhin schon bei der 300. Mail angelangt.

Dabei kommt es mitunter auch zu ganz skurrilen Begebenheiten, von denen der Auszubildende zu berichten weiß: „Neulich schrieb ich eine junge Frau an, deren Portemonnaie wir hier mitsamt ihrer Geldkarte und Führerschein verwahren – nur behauptete sie, gar nicht auf dem Festival gewesen zu sein.“ Wie sich herausstellte, war ihr die Handtasche auf der Hamburger Reeperbahn von Dieben entrissen worden, die sich auf dem Hurricane offenbar mit der Geldbörse ein schönes Leben machen wollten. „Allerdings dürften sie mit zwei Euro, die die Frau an Bargeld dabei hatte, nicht weit gekommen sein“, gibt Drewes zu bedenken.

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