Experten rechnen mit zweiter Schweinegrippe-Welle

Frankfurt/Main - Nach weiteren Todesfällen bei Schweinegrippe-Patienten in Deutschland rechnen Experten mit einer zweiten Welle der Influenza-Epidemie.

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Experten rechnet mit schwindender Skepsis gegen Impfung

Vor allem vor dem Hintergrund der kälteren Jahreszeit seien nun auch schwerere Krankheitsverläufe möglich, sagte der Direktor des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit an der Uni Klinik Bonn, Marin Exner.

Das Paul-Ehrlich-Institut rechnet mit einer schwindenden Skepsis der Bundesbürger gegen die Schweinegrippe-Impfung. Am Freitag waren mindestens zwei weitere Schweinegrippe-Patienten gestorben, darunter erstmals auch eine Frau ohne bekannte Vorerkrankungen, zudem ein fünfjähriges Kind.

Die “Augsburger Allgemeine“ berichtete außerdem, im Augsburger Zentralklinikum sei ein 16-jähriger schwerbehinderter Schweinegrippe-Patient gestorben. Dieser Fall wurde zunächst aber offiziell nicht bestätigt. Nach Informationen der Zeitung werden in der Klinik zwei weitere mit der Schweinegrippe infizierte Kinder künstlich beatmet.

Bei der 48-jährigen Patientin, die am Freitag in der Bonner Uni-Klinik starb, wurden bisher keine Vorerkrankungen festgestellt, die den schweren Krankheitsverlauf erklären würden. Exner sagte, der Fall zeige, dass eine Schweinegrippe-Infektion auch ohne Vorerkrankungen ernst verlaufen könne. Auch wenn bisher die Mehrzahl der Fälle in Deutschland mild verlaufen sei, müsse man dennoch darauf hinweisen, dass möglicherweise jetzt eine zweite Welle der Epidemie beginne. Vor allem vor dem Hintergrund der kalten Jahreszeit sei auch mit schwereren Verläufen zu rechnen. Wichtig sei nun, die klassischen Hygieneregeln einzuhalten und zugleich in Abstimmung mit dem Hausarzt über eine Impfung nachzudenken, sagte Exner. Durch den Impfschutz des Einzelnen würden auch andere geschützt.

Mindestens fünf Schweinegrippe-Tote in Deutschland

Mit den neuen Todesfällen vom Freitag sind bisher mindestens fünf, möglicherweise auch sechs Schweinegrippe-Patienten in Deutschland gestorben. Die ersten drei Toten hatten alle Vorerkrankungen. Am Montag war in Deutschland die Massenimpfung gegen die Schweinegrippe gestartet.

Umfragen zufolge ist ein Großteil der Bevölkerung bisher skeptisch und will sich nicht impfen lassen. Die Stimmung kann aber nach Einschätzung des Leiters des Fachgebietes Virusimpfstoffe beim Paul-Ehrlich-Institut, Michael Pfleiderer, über Nacht umschlagen, “sobald wie jetzt in den USA die Zahl der Schwerkranken steigt und die Krankenhausbetten knapp werden“. Es habe ihn überrascht, dass die Stimmung “im impfkritischen Deutschland selbst bei den Ärzten derartig“ gekippt sei, sagte er der “Wirtschaftswoche“.

Sachlich gebe es überhaupt keinen Grund für Vorbehalte - die kritisierten Wirkungsverstärker seien längst erprobt und in herkömmlichen Grippe-Impfstoffen schon millionenfach gespritzt worden. Es werde “unglaublicher Blödsinn als Wahrheit“ verkauft, kritisierte Pfleiderer.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler sieht in der normalen Herbstgrippe derzeit noch ein höheres Gesundheitsrisiko als in der Schweinegrippe. Der FDP-Politiker sagte laut “Bild am Sonntag“, er lasse sich zuallererst gegen die momentan noch gefährlichere normale Grippe impfen, danach gegen die Schweinegrippe. Jeder Bürger solle mit seinem Arzt besprechen, ob er sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen wolle. Die normale Grippeimpfung solle man dabei keinesfalls vergessen, da diese Grippe für bestimmte Personengruppen mit chronischen Krankheiten auch gefährlich sein könne.

ap

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